Bericht über Sonja Birkenfeld und Juliane Knebel in der TaunusZeitung

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"Unsere Herzen tanzen weiter"

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
     

Turnierpaar überbrückt die Corona-Zwangspause mit Online-Turnier

Eine gespannte und zugleich festliche Atmosphäre herrscht im Saal. Frauen in glitzernden Kleidern, Männer in gediegenen Anzügen stehen parat, gleich aufgerufen zu werden, in der Saalmitte ihre "Choreos" zu präsentieren. Ringsum an Tischen die Fangemeinde, die die Paare mit Applaus, Zurufen und Fähnchengewedel anfeuern. Und am Ende eines schweißtreibenden Tages steigen die besten Tänzerinnen und Tänzer aufs Siegertreppchen - Belohnung für ein hartes Training.

Eine Szenerie aus der Vergangenheit: All dies kann wegen der weltweiten Corona-Pandemie derzeit nicht stattfinden. Die Turniersaison in den Standard- und Lateintänzen endete im Frühjahr 2020; seitdem haben viele Profipaare nicht mehr oder nur eingeschränkt trainiert. Doch nun hat ein englischer Tanzclub sein Turnier "Pink Jukebox Trophy", das normalerweise einmal pro Jahr in London stattfindet, jetzt online gestellt. Einziges deutsches Paar bislang: die Wehrheimerin Sonja Birkenfeld (52) und ihre Turnierpartnerin Juliane Knebel (37).

 

Die selbstständige Schneiderin und die Biotechnologin standen schon oft auf dem Treppchen. Jede von ihnen tanzt seit ihrer Kindheit; heute nehmen sie als "Equality"-Paar in der höchsten Kategorie A an Turnieren in ganz Europa teil, bei denen Frauen mit Frauen und Männer mit Männern tanzen.

 

Ihr jüngstes Turnier haben die Obernhainerin und die Offenbacherin kurz vorm ersten Lockdown in London getanzt. "Dann wurden alle Veranstaltungen gestrichen", berichtet Sonja Birkenfeld. "Keine Frühlingsballshow, keine Meisterschaften und erst mal auch keine Trainingsmöglichkeit mehr. Eine Katastrophe für eine, der das Tanzen das Leben bedeutet."

Die beiden hatten sich schon auf eine lange Durststrecke eingestellt, was Training und Turniere betrifft, da las Sonja Birkenfeld auf Facebook, dass das Turnier online stattfindet. "Ich war sofort begeistert und Juliane, nachdem ich ihr davon erzählte, auch", berichtet die Wehrheimerin. "Ein Lichtblick zwischen allen Absagen und Ausfällen!"

Das Online-Turnier läuft recht einsam ab. Statt der eingangs beschriebenen Szenerie absolviert jedes Paar allein in einer Halle seine Präsentation - und zwar genauso leidenschaftlich, als wären Wertungsrichter, Publikum und die konkurrierenden Paare dabei. Dabei lassen die Paare die Kamera laufen. Die eineinhalb Minuten langen Filme mailen sie nach London, wo ein internationales Konsortium von Wertungsrichtern die Bewertung unter allen Teilnehmenden vornimmt. Am Sonntag, 25. April, ist die "Results Party" mit Siegerehrung geplant.

Kein Training wegen Kontaktverbot

Bis dahin ist noch etwas Zeit, daher ist das bisherige Starterfeld - im Netz einzusehen auf http://pinkjukebox.co.uk/trophy2021.html - noch übersichtlich. Die meisten Paare kommen aus Großbritannien, dem Heimatland des "Pink Jukebox Trophy", aber auch aus USA, Australien und von den Philippinen. Schwierig ist die Vorbereitung für alle: In den meisten Ländern sind die Kontaktbeschränkungen strenger als in Deutschland. "Und auch hier dürfen die Paare in vielen Bundesländern nicht trainieren und die Sportstätten sind geschlossen", so Sonja Birkenfeld.

Die Obernhainerin hat Glück: dass sie in Hessen lebt. Und dass sie mit Erlaubnis des TSC Grün-Gelb Neu-Anspach, bei dem sie auch Standard- und Lateintanz unterrichtet, ins dortige Vereinshaus zum Trainieren darf. "Dort können die Videos in Ruhe drehen. Vielen Dank dafür!", sagt sie.

In der Corona-Krise gibt Sonja Birkenfeld (info@atelierbirkenfeld.de), solange sie dies darf, privaten Tanzunterricht, auch online. Die Kostüme des Paars hat die Schneiderin selbst genäht. Das Kostüm für die Standard-Tänze aus lilafarbenem Georgette-Stoff mit aufgenähter Spitze, aufgeklebtem Strass und Federn an den Ärmeln hat sie in 40 Arbeitsstunden pro Kostüm extra für die (ausgefallenen) Deutschen Meisterschaften 2020 genäht. "Trotz Lockdown und Verboten - mein Herz tanzt trotzdem weiter."

 

Der gesamte Text ist mit nachstehendem Link in der Taunuszeitung zu finden.

Fotos © privat